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Fr.09.Okt. |MICHAEL SCHIEFEL – PLATYPUS TRIO

MICHAEL SCHIEFEL – PLATYPUS TRIO

Preisträgerkonzert Westfalen-Jazz 2015, gestiftet von der Imorde Projekt- und Kulturberatung GmbH, Münster.

„What about the Platypus?“ (aus: »Dreamtime Platypus«)

Das Schnabeltier (lat.: Platypus) ist ein faszinierender Sonderfall der Biologie. Die Zoologen mussten eigens eine taxonomische Untergruppe für das Tier einrichten, das sowohl Eigenschaften von Säugern, Vögeln und Reptilien in sich vereint.
Michael Schiefel ist ein faszinierender Ausnahmemusiker. Er ist Sänger, und vereint in seiner Stimme „die Artikulationsfähigkeit einer hellen Frauenstimme“ mit „den rauchigen Farbgebungen der großen „Crooner“ Frank Sinatra und Dean Martin“, wie die FAZ schrieb. Aber wenn er beispielsweise nur mit seiner Stimme und etwas Live-Elektronik solo auftritt, zeigt er sich auch als virtuoser Instrumentalist der Stimme. Kurz: „Dieser Mann ist sein eigenes Genre…“ (Die Welt)
Und Michael Schiefels neues Album »Platypus Trio« ist ein faszinierendes Novum in der Entwicklungsgeschichte seiner breit gefächerten Diskografie. Denn zum ersten Mal tritt Schiefel hier als Frontmann und Chef auf. „Abgesehen von meinen Solo-Projekten ist das die erste Band, die ich überhaupt selber leite. Ich habe die Musik geschrieben, die Musiker ausgewählt. Das ist ein ungewöhnliches Gefühl für mich, weil ich das noch nie gemacht habe.“ Das hätte man nicht gedacht, schließlich ist Michael Schiefel spätestens seit seinem Solo-Debüt »Invisible Loop« 1997 in der zeitgenössischen Jazzszene präsent und produktiv, längst auch international (wovon 2010 sein Album »My Home is My Tent« erzählte) und sowohl als Gast (etwa bei Carla Bleys »Escalator over the Hill« in Essen 2006) wie auch fest als Stimme im Quintett »JazzIndeed« oder der mini big band »Thärichens Tentett«.
Schließlich entwirft das »Platypus Trio« ein ganz eigenes, buchstäblich unerhörtes Klanguniversum: Michael Schiefels Stimme, Jörg Brinkmanns Cello und nicht zuletzt das Cimbalom von Miklós Lukács umkreisen einander auf unvorhergesehenen Orbitalbahnen. „Das Cimbalom ist ein Instrument mit sehr ungewöhnlichem Klang“ schwärmt Schiefel. „Es ist ein bisschen wie Klavier, aber man spielt es mit zwei Schlegeln, das macht es viel perkussiver. Das erfordert auch eine andere Spieltechnik, weil man nur zwei Töne gleichzeitig anschlagen kann. Aber Miklós erzeugt damit unheimlich vielfältige Farben, die man so noch nicht gehört hat.“
Der Cellist Jörg Brinkmann steuert mal lyrisch gestrichene Kantilenen, dann wieder solide groovende Basslinien bei. „Dann klingt es nicht sehr kammermusikalisch, eher ein bisschen in Richtung Balkan-Jazz“ beschreibt Bandleader Schiefel sein Trio. „Sehr verkürzt gesagt, bewegen wir uns zwischen diesen beiden Polen.“
Doch so ungewöhnlich diese Mischung zunächst scheint: das »Platypus Trio« ist kein Zufalls-Produkt, sondern das Ergebnis von Schiefels Einladung zum „Improviser in Residence“ durch das »nimm! – Netzwerk Improvisierte Musik Moers« im Jahr 2013.
„Ich hatte auch eine Carte Blanche für das Moers Festival, durfte dafür ein eigenes Projekt erfinden“ berichtet Michael Schiefel. „Und jetzt wollte ich dieses Projekt auch als CD aufnehmen. Das haben wir in Budapest gemacht, wo ja Miklós herkommt.“
Die erstaunliche Klangwelt des Cimbalom-Spielers Miklós Lukács hatte Michael Schiefel 2010 auf Einladung des Jazzlabels des Budapest Music Centers kennen gelernt. »Platypus Trio« erscheint jetzt auf BMC Records, das wegen seiner internationalen Produktionen zu den interessantesten Jazzlabels Europas zählt.
Jörg Brinkmann kennt Schiefel schon, seit sie beide an einem Wagner-Projekt der Saxophonistin Angelika Niescier mitgewirkt hatten. Der vielseitige Cellist (mit eigenem Trio, in Kammerensembles, mit Eric Vloeimans und Claudio Puntin unterwegs) ergänzt das »Platypus Trio« perfekt: rhythmisch treibend, klanglich einfühlsam, blitzschnell agierend – und reagierend.
Als Bandleader hat sich Michael Schiefel auf neues Terrain vorgewagt – und erweist sich auch hier als einfallsreicher und erfahrener Komponist, der seine ohnehin schon beeindruckende Bandbreite um ein weiteres, wunderbares Klangspektrum erweitert.

Michael Schiefel voice, electronics
Jörg Brinkmann: cello, electronics
Miklós Lukác: cimbalon

Einlass 19:30 Uhr
Beginn 20:30

AK: 15,- Erm. 10,-/ Bi-Pass 3,-/ U18 frei/ VVK 10,-