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Di 25. Apr | Natalia Mateo

Geheimnisvoll und tiefgründig

De Profundis, lateinisch: aus der Tiefe. Der Albumtitel signalisiert die Richtung, den roten Faden. Natalia Mateos hintergründige Songs lassen keine Zweifel an ihrer Entschlossenheit, eigene musikalische Wege zu gehen. Nachdenkliche Eigenkompositionen und individuelle Song-Adaptionen reflektieren ihre Geschichte zwischen Ost und West, die durch viele Ortswechsel, damit einhergehende Abschiede und Neustarts geprägt wurde.
Die Musik auf „De Profundis“ ist inspiriert von Mateos Zeit in ihrem Geburtsland Polen und der natürlichen Nähe zu slawischen Traditionen, von internationalen Einflüssen in ihrer Wahlheimat Berlin und von unkonventionellen Künstlerinnen aus Musik, Literatur und Kunst: An Freigeistern wie Björk, Joni Mitchell, Maya Angelou und Louise Bourgeois schätzt Mateo den unaufgeregten aber paradoxerweise vehementen Ausdruck sowie die Beharrlichkeit in der Kreativität und die erkennbare Tiefsinnigkeit der Inhalte. Couragiert und konsequent folgt auch Mateo als Sängerin, Komponistin und Bandleaderin ihrer Intuition und kreiert einen enorm starken Ausdruck. Facetten aus Jazz, polnischem Folk und Singer/Songwriter-Ästhetik verbindet sie zu einem schillernden Vexierspiel von ergreifender Intensität.

Auf „De Profundis“ bündeln sich Erfahrungen der letzten Jahre, die Mateo mit ihrer Band während ausgedehnter Tourneen sammeln konnte. Sie führen zu einer fokussierten Spielhaltung, deren pointierte Dynamik von feinen Nuancen bis zu kraftvollen Verdichtungen reicht. Mateo fesselt mit Intensität durch Zurückhaltung. Reduktion sowie gezielte Instrumentierung schaffen intime Nähe und einen unverwechselbaren Sound. Leise Passagen mit Gänsehaut-Atmosphäre kontrastieren mit überraschend energiegeladenen Aufschwüngen. Längst ist die 1983 geborene Künstlerin selbstbewusst genug, um bisweilen zu polarisieren.
Mit Gitarrist Dany Ahmad, Pianist Simon Grote, Bassist Christopher Bolte und dem Schlagzeuger Fabian Ristau bildet Mateo ein über viele Jahre eingespieltes Team. Songs und Arrangements entstehen oft im gemeinsamen Miteinander. Für das vielschichtige und expressive, auf abstrakte Art Zeitgeschehen spiegelnde „Eksplozja Paranoja“ zeichnet die komplette Band verantwortlich. Einen vergleichsweise leichtfüßigen Charakter besitzt die gemeinsam kreierte Musik zu William Blakes philosophischen Gedicht „Eternity“.

Bemerkenswert ist, wie perfekt Sebastian Gille sich in die Band einfügt. Seine variablen, einfühlsamen Modulationen auf dem Tenorsaxophon verstärken Stimmungen, sein charakteristischer, gezielt angerauter Ton bereichert den Sound der Band. Gewohnt flexibel wechselt Gitarrist Ahmad zwischen fließenden Pickings auf der akustischen und lautmalerisch-vehementen Einsätzen auf der E-Gitarre. Schlagzeuger und Perkussionist Fabian Ristau pausiert in einigen Balladen, setzt in anderen Songs groovende und markante Akzente. Die Rolle des Tieftöners teilen sich Christopher Bolte am elektrischen und Felix Barth am Kontrabass.

Verglichen mit ihrem weithin gelobten ACT-Debüt „Heart of Darkness“ singt Natalia Mateo auf „De Profundis“ häufiger in ihrer Muttersprache Polnisch. Neben einem traditionellen Lied aus ihrer alten Heimat haben sich Mateo und ihre Band auch jüngere Stücke anderer Autoren angeeignet und interpretieren diese auf sehr eigene Art. Etwa Krzysztof Komedas Thema für Roman Polańskis Filmklassiker „Rosemary’s Baby“ sowie Dolly Partons „I Will Always Love You“. Letzteres zeigt sich dank verschobenem Rhythmus und neuen Harmonien in ganz neuer Gestalt. Ob Eigenkomposition oder Cover, melodisch-leise oder kantig-dynamisch, melancholisch gestimmt oder ungehalten: die Spannweite auf „De Profundis“ ist groß und jeder Titel offenbart stärker denn je Natalia Mateos eigenständiges Profil.

 Einlass 19.30 // Beginn: 20.30
AK 15,– € (zzgl. Gebühren) / VVK 12,– €