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Fr 24. Mai | 2. Elektronische Nacht

Als eigenes Genre bewegt elektronisch erzeugte bzw. bearbeitete Musik sich frei zwischen vielen Sparten wie der Neuen Musik, Jazz, Pop, Ambient, Experimental. Was liegt da näher, als dieser Gattung nebst ihrer umtriebigen Bielefelder Szene im Bunker eine Plattform zu bieten? In mehreren Sets wird einem auswärtigen Gast ein lokaler Künstler gegenüber – und zuletzt an die Seite gestellt.

Nach einem fulminanten Auftakt mit Achim Zepezauer und Stan Pete geht die elektronische Nacht im Bunker Ulmenwall nun in die zweite Runde. Mit der Italienerin Marta Zapparoli und dem hier heimischen Marcus Beuter treffen zwei Künstler aufeiander, die beide mit Umweltgeräuschen arbeiten.

Marta Zapparoli spielt sie mit Bandmaschinen und Cassetten, Marcus Beuter greift auf sein Live-Set am Laptop zurück. In ihrem Solo präsentiert Marta Zapparoli ihre Komposition Sonata Per Eterna von 2018. Es handelt sich um eine Textkomposition, die die Bedeutung einiger Wortkombinationen mit ausgewählten Radiowellen und mit Signalen natürlicher Radiophänomene , die sie in den letzten Jahren in verschiedenen Ländern aufgenommen hat, verbindet. Das Stück wird in Echtzeit gespielt.

Marcus Beuter wird sich in seinem Solo mit dem besonderem Raum des Bunker Ulmenwalls mit einer Bühne in der Mitte auseinander setzen und seine Improvisation als 4-Kanal-Konzert spielen. Jede/r Besucher*in wird dadurch ein ganz eigenes Hörbild erhalten. An keinem Platz wird es gleich klingen. Schließlich spielen Marta Zapparoli und Marcus Beuter ein gemeinsames Set. Ihre unterschiedlichen Aufnahme- und Spieltechniken sowie ihr durchaus unterschiedlicher Fundus an Klängen versprechen einen spannenden und selten stattfindenden Impro-Jam aus dem Bereich des field recordings. Mit weiten Flächen, abstrakten Klängen und spontanen elektronischen Bearbeitungen.

Marta Zapparoli ist eine italienische experimentelle Klang- und Improvisationskünstlerin, Performerin und autodidaktische Forscherin, deren Karriere in der musikalischen Untergrund-Szene Bolognas begann. Bereits im Alter von fünfzehn Jahren begann sie ihre Ausbildung in Bildender Kunst und Sopran-Saxophon, und war auch aktiv in den Bereichen des experimentellen Theaters, Tanz, Performance und Radio Produktion. Seit dem Jahr 2000 ist sie vor allem interessiert an experimenteller Noise-Musik und war Mitbegründerin des Hotelnuclear Kollektivs. Anschließend entwickelte sie ihr Solo-Projekt, dessen Fokus vor allem auf akustischen Ökologien, Außenaufnahmen und Lärmbelastung, sowie Elektromagnetischen Frequenzen liegt. Seit 2014 arbeitet sie an einem neuen Projekt zu “unhörbaren Klängen”, das auf dem Empfang und weltweit gemachten Aufnahmen von Phänomenen durch Radiofrequenzen, von Menschen produzierten Lärm-Signalen, kabelloser Kommunikation und natürlichem Radio (VLF) basiert, die sie in ihren Live-Auftritten, Klang- Interventionen und -Installationen verwendet. In ihrer Arbeit im Bereich der Klangkunst in den letzten fünfzehn Jahren ist sie zu einer der gefragtesten Künstlerinnen geworden, die mit Kassettenrekordern und Tonbandmachinen arbeitet, und eine Vielzahl an Techniken und Ausrüstung in ihren Arbeiten einsetzt: Mikrofone, Sensoren, Ultraschall, aber auch analoge Geräte (manche davon selbst gebaut), sowie seit 2014 auch Antennen, Radio-Empfänger, und Detektoren.
2006 erhielt Sie den dotierten MOVIN-UP AWARD für das Klangkunstprojekt An Audio Portrait of Berlin. Ihre Werke wurden eingehend im WDR3 Open Studio Elektronische Musik Deutschland, ZDF TV (2012), TeleBielingue TV und RTS radio (2019) sowie zahlosen Radiokunst Formaten besprochen. 2014 wurde Sie zu Mapping the Field, der 2. internationalen ESSA Konferenz an der Universität Kopenhagen (Dänemark) zur Präsentation und Aufführung Ihrer neuen Arbeit “The unknown beyond” eingeladen. Neben ihrem Solo-Projekt arbeitet sie zudem auch in Kollaborationen : (PAREIDOLIA) mit Liz Allbee, (THE ELKS) mit Billy Roisz, Liz Allbee, kai fagaschinski, (Vertigo Transport) mit Burkhard Beins, Duo mit Billy Roisz, (NÆGATIVÆON) mit Yannick Franck, (Circuit Training Assemble), Duo mit Greta Christensen . Seit 2010 ist Sie Mitglied des Splitter Orchester Berlin. Live-Auftritte in verschiedenen Kombinationen in viele Festivals und venues in Europa und weltweit.

mehr Infos –>blogspot

Sonata Per Eterna (2018) by Marta Zapparoli

Diese Textkomposition verbindet die Bedeutung einiger Wortkombinationen mit ausgewählten Radiowellen und mit Signalen natürlicher Radiophänomene, die ich in den letzten Jahren in verschiedenen Ländern aufgenommen habe. Das Stück ist inspiriert von meiner persönlichen, sehr romantischen Idee sowie von wissenschaftlichen Untersuchungen zur Reise der Seele nach dem Tod in einem Universum, das sich in unaufhörlicher Bewegung befindet. Die von der Seele gesendeten Signale verlassen den Körper in Form purer Energie und gelangen in den Weltraum, wobei sie einige Sternenstürme, Planeten, Pulsare, schwarze Löcher und intergalaktischen Staub passieren, bis sie in die Krasnikov-Röhre gelangen: Eine Verzerrung der Raum-Zeit, die sich, wenn man sich fast in Lichtgeschwindigkeit fortbewegt, bewusst erzeugen läßt. So erreicht die Seele ihren Bestimmungsort und entdeckt das „Ewige“ in einem anderen Universum. Das Bruchstück eines Meteors kehrt zusammen mit einer symbolischen Botschaft, die zugleich das Geheimnis neuen Lebens mit sich bringt, zur Erde zurück. Das Stück wird während der Aufführung in Echtzeit mit Verwendung von Bandmaschinen gespielt.
– Sonata Per Eterna ist meinem Vater und seiner Seele gewidmet. (Marta Zapparoli, 2018)

Marcus Beuter hört gerne. Und ebenso gerne reist er. Diese Kombination führt ihn zu unterschiedlichsten Klängen, sei es der heimische Kochtopf oder die Soundscape des Amazonas. Ausgewählte Aufnahmen in anderen Räumen und Zusammenhängen wiederzugeben und gegebenenfalls zu bearbeiten bilden eine Grundbasis seines künstlerischen Ansatzes. Ebenso, wie er manchmal den Raum selbst bearbeitet. In künstlerischen und soziokulturellen Workshops experimentiert er mit den Teilnehmenden. Und klar, ihm wurde nicht nur in Bielefeld zugehört und er spielt nicht immer alleine.

Einlass: 19.30 Uhr // Beginn: 20.30 Uhr
VVK: 9,– € (zzgl. Geb.) // AK: 12,– € // erm. 9,– € // Mitgl. 6,– € // U20 frei