Soundtrip #53 Wierbos/de Joode

Wolter Wierbos – Posaune

Für den Posaunisten Wolter Wierbos dreht sich alles um Fluidität: um Klang und Zeit, um Linie, Strategie und Setting. Man sagt, er könne die ganze Vielfalt einer Ellington Posaune zum Ausdruck bringen, von Plunger-gedämpften Ya-Yas über wunderschöne Melodie-Statements bis hin zu dunklen Schattierungen. Er improvisiert frei assoziative Solokonzerte, die immer weitere Möglichkeiten zur Interpretation aufzeigen. Selbst in komponierter Musik schafft er es, gekonnt zu improvisieren – bildet noch bessere Posaunen-Lines als die, die für ihn geschrieben wurden. Kein Wunder, dass er seit 30 Jahren Dreh- und Angelpunkt des ICP-Orchesters von Misha Mengelberg ist, in dem die Spieler die Melodien immer wieder neu arrangieren. Hängen die Harmonien davon ab, trifft er auch die komponierte Lines auf den Punkt. 
Wierbos spielte lange Zeit in der Kooperative „Available Jelly“ und in den Bands und Orchestern von Gerry Hemingway, Maarten Altena, Guus Janssen und Sean Bergin. Für Konzerte auf dOeK-Festivals (oder seinen Amsterdamer Hausbootkonzerten) stellt er Gruppen zusammen, die von Grund auf neu miteinander improvisieren, oder er lässt sich in die Konstellationen anderer Komponist*innen und Interpret*innen einladen: in die, des rhythmisch teuflischen Gitarristen Franky Douglas oder der molukkisch-niederländischen Sängerin Monica Akihary.
Wolter Wierbos ist auf mehr als 100 CDs und LPs zu hören. Er hat zwei Solo-CDs veröffentlicht: X Calibre (ICP 032, 1995), „[…]eine Reise durch sein Horn, von summend gedämpften Mutationen, launische Unschärfen und schnurrenden Multiphonics bis hin zu strahlenden Melodien.“, und Wierbos (DATA 824), eine Neuauflage seiner 1982er Solo-LP mit einem zusätzlichen Track. 

Wilbert de Joode – Kontrabass

Der Autodidakt Wilbert de Joode begann 1985 Kontrabass zu spielen. Zunächst spielte er in Bands, die innerhalb der Jazztradition improvisierten. Seine einzigartige Herangehensweise wurde schnell erkannt und führte zu einer Vielzahl von Einladungen für Projekte rund um improvisierte Musik, Tanz und Kunst. de Joode gilt heute als einer der besten Praktiker der kollektiven Improvisation und des Instant Composing. 
Musik im Moment und auf der Stelle zu erschaffen, erfordert einen starken Geist, der vom Punkt Null ausgehen kann, der weiter und tiefer sucht und sich traut, Risiken einzugehen, ohne das Ego die Oberhand gewinnen zu lassen. Genau das tut de Joode mit seinem charakteristischen breiten musikalischen Vokabular, seiner Ausdruckskraft, seiner Klangproduktion und seiner Vorstellungskraft, nicht zu vergessen mit seinen großen Darmsaiten. All diese Qualitäten machen de Joode zu einem gefragten Bassisten in den verschiedensten Bereichen und zu einem respektierten und inspirierenden Lehrer für Improvisation.  
Im Jahr 2016 gewann de Joode den Boy-Edgar-Preis, den renommiertesten niederländischen Preis für Jazz und improvisierte Musik. Die Jury schrieb: „de Joodes Spiel ist kompromisslos eindringlich und gleichzeitig von Präzision und Verletzlichkeit geprägt. de Joode ist Autodidakt, ein zunehmend seltenes Phänomen in der improvisierten Musik. Er hat eine Faszination für Klangfarbe und Akustik, sein Klang ist resonant, sein Pizzicato explosiv und sein Arco reich und vielfältig. Er hat ein umfangreiches Vokabular und ein extrem gutes Ohr für die musikalischen Möglichkeiten eines bestimmten Klangs, in einem bestimmten Moment, in einem bestimmten Raum.“

Einlass: 19.30h // Begin: 20.30h
VVK: 9,– € // AK: 12,– €  (VVK Beginn ab 07.05.2021)