MICRO NARRATIVES

Ich habe meine kreative Energie immer durch zwei verschiedene Medien ausgedrückt. Zum einen durch Musik und zum anderen durch Malerei. Aber vielleicht sind sich diese beiden Ausdrucksformen auch gar nicht so unähnlich: In meinen Gemälden versuche ich Töne zu visualisieren und diesen auf der Leinwand Gestalt zu geben. Die Komposition meiner Gemälde wird durch einen Rhythmus strukturiert über welchen ich dann improvisiere und Farben- und Formverläufe intuitiv geschehen lasse. Dieser Prozess ähnelt dem der musikalischen Improvisation, wenn ein tonales und rhythmisches Fundament den Rahmen für freie Explorationen bietet. Die Abstraktion in meinen Bildern lässt sich auch im Zusammenhang mit den politischen Verhältnissen in meiner Heimat Iran lesen: Der Ausdruck durch expressive und abstrakte Malerei schützte vor der Zensur durch die Behörden und ermöglichte mir, mich trotz der bestehenden Einschränkungen auszudrücken.

Das Projekt „Micro Narratives“ entstand während des Corona Lockdowns im März-April 2020. Ich nutze dafür nur Materialien, welche ich in der Wohnung zur Verfügung hatte. In dieser Zeit, welche sich anfühlte als ob die Welt zum Stehen gebracht wurde, machte ich mir Gedanken darüber, welche Bedeutung Malerei in dieser isolierten Zeit haben kann. Dabei kam ich auf die Idee, dass Malerei immer auch als Träger einer Geschichte dient und als ein Medium für Kommunikation mit der Außenwelt. Zeit und Ort des Betrachters verändern die Geschichte des Bildes. Die Geschichte verlässt den für sie vorgesehenen Rahmen und beginnt ein Eigenleben zu führen. Auf diese Weise ist das Bild in einem permanenten Schaffungsprozess eingebunden. Es interagiert mit der Erinnerung der Betrachterin, mit der Gegenwart und den Erwartungen an das Kommende. Ich begab mich auf die Spur dieser wandernden Geschichten – kleinste Einheiten der Kommunikation – splitternde Fragmente einer Erzählung: Micro Narratives. Dadurch, dass ich mich mit den Geschichten der Bilder umgab fühlte sich die Zeit weniger isoliert an.